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Erntedank 20

Konzertkirche – schon mehr als Zukunftsmusik

Zu einer regelrechten Ideenschmiede zum Thema Konzertkirche wurde eine erste erweiterte Sitzung des gleichnamigen Ausschusses der evangelischen Kirchengemeinde Altenkirchen.

P1030974Am originären Ort, also der Baustelle Christuskirche, gaben sich Mitglieder des Presbyteriums mit weiteren Persönlichkeiten und Institutionen aus Stadt, Verbandsgemeinde und Kreis ein Stelldichein. Wer auf die Christuskirche schaut kann dort auch gut sichtbar die Banner sehen, die auf die Aktion der Konzertkirche hinweisen.

Zwei Vorhaben – viele Engagierte

In der erweiterten Sitzung des Ausschusses ging es wesentlich um Fragen der Konzeptionsentwicklung des durch die EU und das Bundesland geförderten Projekts „Erweiterung der Christuskirche Altenkirchen zur Konzertkirche“. Zwei Herausforderungen im Werdeprozess dieses Vorhabens stellte der Vorsitzende, Martin Schmid-Leibrock, ins Zentrum der Arbeit in rotierenden Workshop-Gruppen: Wie kann das geplante Format „Musik zur Marktzeit“ in der Christuskirche Altenkirchen gestaltet werden? Wer wird dazu beitragen können? Und: Welche pädagogischen Angebote können im Zusammenhang mit der Orgelerweiterung unterbreitet werden?

Zukunftsbilder entwickelt

Zahlreich, engagiert und kreativ waren die Ideen und Zukunftsbilder, die von Mitgliedern des Presbyteriums gemeinsam mit geladenen Persönlichkeiten und Institutionen aus Stadt, Verbandsgemeinde und Kreis zusammengetragen wurden. Das Interesse an dem Vorhaben, das Gotteshaus für kulturelle, insbesondere musikalische Impulse weit zu öffnen, bekräftigten Stadtbürgermeister Matthias Gibhardt ebenso wie Cornelia Obenauer seitens der Verbandsgemeinde.

Auch die Fraktion Kirchenmusik präsentierte etliche Einfälle: Neben dem neuen Gemeindekantor, Achim Runge, und den Organisten Dr. Günther Arbeiter und Dr. Werner Buchner, beteiligten sich Walter Schütz vom örtlichen Posaunenchor sowie Pfarrer Marcus Tesch (Kirchenmusik-Beauftragter des Kirchenkreises) an der Entfaltung von Handlungsmöglichkeiten.

Vom Bauprozess in der Christuskirche konnten sich die Teilnehmenden selbst ein Bild machen: Die geplanten Licht-Ton-Video-Installationen sind nahezu abgeschlossen. Aber bei der 34-Register-Orgel klafft derzeit eine große Lücke: Ihr wuchtiger Spieltisch ist demontiert und wird aktuell in der Orgelbaufirma Merten, Remagen, wieder in Wert gesetzt und gegen Brandgefahren abgesichert. Anschließend wird das große Orgelwerk insgesamt renoviert und um ein tiefes 16-Fuß-Prinzipalbass-Register erweitert.

Immaterielles Kulturerbe der Menschheit – bewegt in Altenkirchen

Diese Bauphase eignet sich nach Auffassung des Gremiums hervorragend, in das neuerliche „Weltkulturerbe Orgelbau und Orgelspiel“ einzuführen. Entsprechend trägt das UNESCO-Logo für das immaterielle Kulturerbe die drei Verben „Wissen. Können. Weitergeben“.

Dazu stehen in Altenkirchen sowohl der Orgelbauermeister Martin Hiltmann als auch die an der Christuskirche aktiven Organisten bereit. Und der Initiator des Weltkulturerbe-Prozesses, Prof. Michael Kaufmann, Heidelberg, hat bereits einen Festvortrag in 2021 zugesagt. Er ist insbesondere gespannt auf den im Frühjahr 2021 zu installierenden zweiten, mobilen Orgelspieltisch, der auch auf dem Schlossplatz bespielt werden kann. Damit wird eine völlig neue Schnittstelle zwischen mechanischem Orgelbau und computergesteuerter, mobiler Spieltisch-Anlage entstehen, mit der die Orgelwerke outdoor gespielt, elektronisch an die Orgel übermittelt und simultan aus dem Klangraum Christuskirche wieder auf den Schlossplatz übertragen werden können – eine wohl weltweit einmalige Konstruktion, die Neugier auf den seltenen Beruf Orgelbauer/Orgelbauerin wecken könnte.

Auch Kinder und Jugend für die „Königin“ begeistern

Nun freuen sich die Fachkräfte darauf, Schulklassen, Kinder- und Jugendgruppen sowie Stadtführungsinteressierte mit Ästhetik, Klangfülle und technischen Eigenschaften dieses Instruments samt den Möglichkeiten der Konzertkirche vertraut zu machen und für die Orgel als „Königin der Instrumente“ zu begeistern. Und auch für die Berufszweige Metallbau, Gebläsetechnik, Holzbau und Elektrik bietet das seit 1200 Jahren in Deutschland nachgewiesene Instrument heute spannende Einblicke.

Die Orgel ist neben dem Glockenspiel wohl das einzige Instrument, das begehbar ist und eigentlich aus 34 Instrumenten besteht, vergleichbar einem großen Orchester.

Klangerlebnisse für Stadt und Region

Weitere Impulse für die „lernende Organisation“ Konzertkirche verspricht sich der Ausschuss auch von Alfred Stroh, Organisator der kirchenmusikalischen Angebote in Birnbach, Thorsten Schmehr, kath. Seelsorgebereichsmusiker und Leiter des ökumenischen Kinderchors Altenkirchen, sowie von Klaus Schumacher, stellvertretender Leiter der Kreismusikschule.

Schulen und Chöre sowie der Kreischorverband sind schon seit Jahren willkommene Gäste im Gotteshaus und sollen, so Schmid-Leibrock, nochmals zur Mitwirkung im Ausschuss eingeladen werden. Sie könnten – ebenso wie alle anderen interessierten Musizierenden – dazu beitragen, „Musik zur Marktzeit“ zu einem kleinen, anziehenden Ruhepunkt im Wochenrhythmus der Stadt zu machen.

Der Ausschussvorsitzende, selbst ehrenamtlicher Kirchenmusiker, freut sich, dass dieses Vorhaben der Gotteshaus-Öffnung möglich wurde, weil es in den Rahmen des Entwicklungsprogramms EULLE eingepasst werden konnte – unter Beteiligung der Europäischen Union und des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau in Rheinlad-Pfalz.

Als außerordentlich hilfreich, so Schmid-Leibrock, habe sich auch die begleitende Beratung durch die Wirtschaftsförderung des Kreises erwiesen. Nun hat das Presbyterium, beschwingt durch die EU-Förderzusage, ein weiteres Projekt beschlossen und weitgehend ehrenamtlich realisiert: Die Installation einer akustischen Induktionsanlage für Hörgeschädigte.

Werner Jung

Konzertkirchenausschuss
Im Altarraum der Christuskirche Altenkirchen, also am Ort geplanter Taten, sammelt der erweiterte Konzertkirchen-Ausschuss zum Abschluss seiner Sitzung Zukunftsbilder über die konzeptionelle, pädagogische und programmatische Ausgestaltung seines Vorhabens.

Der große Engel

In unserer Abteilung „Geschichte der Ev. Kirchengemeinde Altenkirchen“ gibt es ein neues Kapitel zum großen Portalengel über den Eingangstüren der Christuskirche. Rika Unger, die das Werk 1953/54 geschaffen hat, schreibt dazu:

engelWas Wilhelm von Hausenstein zu Vincent van Goghs Bildern sagt, es ist genau das, was ich mit allem, was in mir zur Gestaltung drängt, bejahe.

Damit stellt er sie dar, diese letzte hohe Freiheit des künstlerischen Schaffens - die selbstverständliche Übung, Schulung, Handhabung der technischen Mittel in sich schließt, ohne aber je den schöpferischen Impuls wecken zu können. Dieser - so sehe ich es - empfängt das Ich des Künstlers unmittelbar aus göttlichen - geistigen Welten ...

Wir wollen alle schöpferischen Kräfte darein setzen, dass nur Neues werden möchte und wollen uns immerfort daran erinnern, so dunkel und ausweglos sich alles zeigt, dass am Ende das Licht den Sieg haben wird.

Ich habe das auch so erlebt, als ich den großen Engel arbeitete, der jetzt in Altenkirchen am Kirchengiebel hängt. Es war, als richtete sich alles Dämonische gegen mich, um mich zu lähmen und zu ängstigen. Es war finster in mir und um mich. Doch dann wurde alles gut. So ist unser Weg - dieses eigenartige Hoffen und Drängen auf etwas hin - dieses Gewaltige, das uns überkommt, stärker als dir selbst. Dies alles gibt uns die Kraft des Wartens, zügelt unsere Ungeduld: „es führt uns der Weg“ (Christian Morgenstern).

Bild: Dr. Gabriele Bieling, Galerie Rika Unger, Münster

Schöpfungstag

Wer hier nicht nur hinschaut, sondern stehen bleibt, wird hören, wie es summt und brummt. Rund um die Kirche darf endlich vieles wachsen und blühen, was sonst als „Unkraut“ und „nicht Erwünschtes“ entfernt werden musste.

blühende Blume_Kirche 1Am 4. September feiern wir den ökumenischen Schöpfungstag. Solche Tage brauchen wir zur Erinnerung und Besinnung, dass die Schöpfung in all ihrer Vielfalt -so wie Gott alles wachsen ließ- ein kostbarer Schatz ist. Und mehr noch, wir wissen es alle schon lange: wir Menschen - anders als jedes andere Geschöpf - erdreisten uns, für unseren persönlichen Luxus Böden, Wälder und Meere auszubeuten für noch mehr Essen, Kleidung, Autos, Handys..., die nach kurzer Zeit als giftiger Müll weit weg von Europa und den USA in den ärmeren Ländern landen und dort Pflanzen, Tiere und Menschen vergiften. Wann wachen wir endlich auf? Wann kehren wir um, nicht nur ein kleines bisschen, sondern wahrhaftig und grundlegend? Durch unseren Lebensstil führen wir Krieg gegen Gottes Schöpfung und damit gegen Gott selbst. Schon jetzt fragen uns zu Recht unsere Kinder: wieso habt ihr das zugelassen?

Tauschen wir mehr und teilen, kaufen und verwenden wir, was nachhaltig ist. Schöpfen wir Weisheit aus den Schätzen der Bibel, dann werden wir mit Freude beten wie schon viele vor uns: „Gott, wie sind deine Werke so groß und so viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter“, Ps 104,24. Oder wie Albert Schweitzer sagte: „Wir sind Leben inmitten von Leben, das leben will!“

Freuen wir uns mit allen Sinnen am Sommer. „Bebauen und Bewahren“ wir die Erde, die Gott uns so segensreich anvertraut hat.

Pfr‘in Gudrun Weber-Gerhards